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Als
ich
16 Jahre alt war, beschloss ich
mit der Zustimmung meiner Familie ein Schuljahr im Ausland zu
verbringen. Das war vor 14 Jahren.
Die
Organisation YFU bot Aufenthalte in
praktisch jedem Land der Welt an.
Anhand
einer Rangliste konnte man seine
Länderpreferenzen angeben. Polen tauchte auf der von mir
ausgefüllten Liste nicht auf.
Es
kam
zum Vorstellungsgespräch,
auf dem sich herausstellte, dass es für meine Wahl:
Südamerika,
Frankreich und andere Länder, die ich heute nicht mehr
erinnere,
kaum oder gar keine Gastfamilien gab. So kam ich nach Polen...
Wir
waren
zu fünft – eine
Amerikanerin und vier Deutsche. Als der Zug über die polnische
Grenze rollte, konnte ich selbständig (ohne Buch) zwei
Ausdrücke
sagen:
Wszystko
jedno und Dziekuje.
Nach
der
Ankunft bekamen wir einen
dreiwöchigen Crashkurs, in dem wir schon ziemlich viel
lernten,
vor allem die Grammatik, ohne welche als Gerüst man nicht
auskommt. Die meisten Schwierigkeiten hatte dabei die Amerikanerin
Gretchen, der die wenigstens uns Deutschen eigene Vorstellung
jeglicher Kasus fehlte.
Danach
folgte die Überführung
in die Gastfamilien und das beherzte Lernen der polnischen Sprache.
Zu meinen Voraussetzungen muss ich folgendes sagen: ich traf auf die
allerbeste Gastfamilie, die mir passieren konnte und zu der ich noch
heute Kontakt pflege. Ich traf auf eine sehr nette und offene Schule
und Klasse. Ich war sehr jung. Und ich verfügte über
einiges angeborenes Sprachtalent, dass mich auch Englisch schnell
hatte lernen lassen. Letzteres brauchte ich am Anfang auch unbedingt,
um zu überleben. Niemand in meiner neuen Danziger Umgebung
sprach Deutsch – außer mein Gastbruder, der es
wiederum zu
einem fast muttersprachlichen Niveau brachte, da er seinerseits ein
Austauschjahr in Deutschland verbracht hatte. Mit ihm sprach ich bis
zum Schluss Deutsch, weswegen er sich die Schelte anhören
musste, er wäre ein großer Sprachegoist, aber der
intellektuelle Austausch mit ihm, auch über sprachliche Dinge,
wenn es auch keine sprachpraktische Übung war, hat mir dennoch
viel gegeben.
Mit
dem
Rest sprach ich also Englisch.
Alle Polen in meiner Schule konnten etwas Englisch, jedoch war es oft
sehr durchwachsen. Ich war in der Klasse in Englisch zusammen mit dem
Jungen, der längere Zeit in den USA verbracht hatte, die
beste.
Ich
fing
sehr schnell an, nur noch
polnisch reden zu wollen und lernte mit meinen Mitschülern
auch
oft über Übersetzungen aus dem Englischen. Sie waren
sehr
nett zu mir, mit einigen hatte ich sehr engen Kontakt und wir trafen
uns auch nach der Schule praktisch jeden Tag. Sie halfen mir sehr und
ließen mich nicht alleine. Sicherlich kann ich sagen, dass
ich
einen gewissen Sonderstatus hatte. Ich denke, die Polen freuten sich
auch sehr, dass eine kleine Deutsche ihre Sprache erlernen und ihr
Land kennen lernen wollte und motivierten mich dementsprechend.
Dieser Sonderstatus hatte aber auch Nachteile, was das Lernen anderer
Unterrichtsstoffe anging. In den meisten anderen Fächern war
ich
nicht so gut wie in Englisch... Das lag daran, dass ich
natürlich
Schwierigkeiten hatte, den Stoff auf polnisch zu verstehen, zumal die
Polen in Danzig in den Naturwissenschaften weiter waren als der Stoff
in meiner Heimatschule in der 10. Klasse. Ich musste mich aber auch
nicht anstrengen und wurde größtenteils vom leidigen
Terror-Abfragen verschont (außer ausgerechnet in Physik und
Sport). Bei Klassenarbeiten konnte man auch oft seine Spicker
benutzen und so war das Schuljahr kein Problem für mich. So
verbrachten wir auch sehr lustige Momente in der inoffiziellen
Raucherecke, wo sich die üblichen Verdächtigen,
darunter
ein Sprössling Walesas, in den Pausen trafen.
Überhaupt
hatte ich eine sehr schöne, ereignisreiche und intensive Zeit
...
Aber
ich
komme vom Thema ab. Wie ich
nun genau polnisch lernte kann ich also folgendermaßen
rekonstruieren (ich lernte ja nicht systematisch nach Lehrbuch):
Möglichst viel sprechen, offen sein, dabei keine Angst vor
Fehlern haben. Immer wieder nachfragen, die Leute dazu bringen,
polnisch zu sprechen und zu erklären. Unbekannte
Wörter
fleißig nachschlagen. Geholfen hat mir auch der
Polnisch-Grammatikunterricht, den ich zeitweise privat bekam. Viel
habe ich auch über Musik gelernt, indem ich mir die Texte
einprägte.
Nach
dem
Schuljahr sprach ich also
fließend polnische Umgangssprache gemäß
meinem Alter
und las Texte.
Ich
beendete in Deutschland die Schule
und entschied mich für ein Studium der Slawistik bzw.
später
Polonistik. Während des Studiums verfeinerte ich meine
Kenntnisse und lernte auch Texte in polnisch zu verfassen.
Später
absolvierte ich auch ein Auslandssemester in Polen. Während
dieser ganzen Zeit bis heute bemühe ich mich
möglichst viel
selber auf polnisch zu sprechen, denn das ist meiner Meinung nach der
Schlüssel zum Erlernen einer Fremdsprache. Grammatik ist
dafür
unabdingbar, aber erst durch das Sprechen, die aktive Anwendung
seiner Kenntnisse, lernt man eine Sprache richtig. Bis heute zwinge
ich alle Polen, mit mir polnisch zu reden, ob sie wollen oder nicht
....
Ein
Interesse für das aktuelle
Tagesgeschehen, sprich die Beschäftigung mit polnischen Medien
ist dabei auch fast ein Muss und auch zugleich Motivation.
Aber
– nicht dass ich mich
wiederholen möchte – das wichtigste ist: mowic,
mowic, mowic
....
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